Kernkraftkonferenz in Paris: Weltweit wissenschaftlicher Nachwuchs für Kernenergie gesucht!

Einer der Hauptpunkte, mit denen sich die Pariser Kernenergiekonferenz befasste, war die weltweite Ausbildung von Ingenieuren und Wissenschaftlern - eine "Demokratisierung der Kernenergie".

Dominique Ristori, Stellvertretender Direktor der Generaldirektion der Europäischen Kommission für Energie, leitete die Sitzung über den Ausbildungsbedarf für eine Renaissance der Kernenergie. Frau Amina Benkhadra, marokkanische Ministerin für Energie, Bergwerke, Wasser und Umwelt erklärte, wie ihr Land sich vorbereitet, um sein nukleares Programm in Gang zu setzen. 7000 gut ausgebildete Ingenieure und Techniker stehen zur Verfügung, sobald es losgeht. Professor Pierre Lena von der französischen Akademie der Wissenschaften unterstrich die Notwendigkeit, die Kreativität von Kindern im frühen Alter zu erwecken. Es sei allgemein bekannt, wie wichtig es ist, frühzeitig wissenschaftliche Bildung zu erwerben. Dann funktionierten auch Demokratie und Wirtschaft viel besser.

Von der französischen Seite unterstrich Frau Caterine Cesarsky, Hoch-Kommissarin für Kernenergie (CEA) die Bildungsinfrastruktur, die in Frankreich auf der Grundlage von Präsident de Gaulle entwickelt worden ist. Sie berichtete, daß sich in den letzten Jahren neues Interesse in der jüngeren Generation an der Kernphysik zeige. Die Master-Studienabschlüsse in Kernphysik stiegen in Frankreich im letzten Jahr von 380 auf 900. Das jetzige Potential werde auf 1500 innerhalb von 3 Jahren wachsen. Das Internationale Institut für Kernenergie, das unter Präsident Sarkozy eingerichtet wurde, bildet 95 Studenten aus -  die Hälfte davon französisch, die andere Hälfte Ausländer. Die Kapazität wird auf 200 erweitert. Das Franco-Chinesische Institut  für Kernenergie bildet bereits 150 Studenten in Kanton, China aus. 2008 gründete Frankreich auch die Agence France Nucleaire Internationale (AFNI), um eine Regierungs-Koordination zwischen den verschiedenen Teilnehmern und staatlichen Partnerschaften zu schaffen. Zusammenarbeit gibt es u.a. mit Ländern wie Indien, Russland, China, Jordanien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Vietnam und Polen.

Laurent Stricker, der Vorsitzende der Weltvereinigung der Kernenergiebetreiber (WONA) und Walter Hohlefelder von ENEF (Europäisches Nuklearenergieforum) stellten die verschiedenen europäischen Ausbildungsbestrebungen vor.  Die ENEF  wurde 2007 in Bratislava (Slowakei) im Auftrag der EU-Kommission gegründet, aber, so Hohefelder, bisher sei dort noch keine umfassende Bestandsaufnahme gemacht worden. Der Mangel an jungen, qualifizierten Arbeitskräften ist aber so groß, daß  die EU vor einigen Wochen zusammen mit sieben der wichtigsten Kernkraftbetreiberfirmen eine Europäische Führungsakademie für Kernenergie (ENELA) zu gründen.  ENELA soll 2011 in Garching bei München eröffnet werden. Aber Deutschland sollte sich sicher nicht auf die EU verlassen, um endlich zur Kernenergie zurückzukehren!

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